Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst.

Diese Goldene Regel lernen wir schon als Kinder. Alle großen Weltreligionen lehren Werte wie Gewaltlosigkeit und Barmherzigkeit. Martin Luther King Jr. sagte: „Wenn irgendwo ein Unrecht geschieht, ist die Gerechtigkeit überall in Gefahr.“ Die goldene Regel der ethisch verantwortlichen Behandlung muss für alle Lebewesen gelten – auch für Reptilien, Säugetiere, Fische, Insekten, Vögel, Amphibien und Krebstiere.

Warum aber behandeln wir dann andere Lebewesen so?

Würden wir unsere Kinder in Käfigen einsperren, die so klein sind, dass sie sich darin nicht bewegen können? Würden wir unsere Schwestern vergewaltigen und ihnen ihre Babys wegnehmen? Würden wir unsere Freunde absichtlich mit Krankheiten infizieren und sie dann nicht ärztlich behandeln? Natürlich nicht! Warum aber behandeln wir dann andere Lebewesen so? Wir müssen die archaische und falsche Abgrenzung des Menschen gegenüber allen anderen Lebewesen aufgeben, die uns fortwährend als Rechtfertigung für das Massaker an Milliarden von Lebewesen dient.

Vor mehr als einem Jahrhundert hat Charles Darwin aufgezeigt, dass alle Lebewesen der Erde einst gemeinsame Vorfahren hatten. Alle Lebewesen wollen leben. Wir alle fühlen Schmerz, Freude, Trauer und Lust. Jedes Lebewesen hat einen eigenen Wert.

Schnecke

© janeff

Alle Lebewesen wollen frei sein und ein Leben führen, das ihren natürlichen Bedürfnissen und Instinkten entspricht. Auch wenn jedes Geschöpf auf dieser Erde in seinem Leben unweigerlich ein gewisses Maß an Leid erfährt, muss der Mensch damit aufhören, allen anderen Lebewesen für seine eigenen egoistischen Zwecke bewusst Leid zuzufügen.

Es macht für uns keinen Unterschied, ob wir statt eines Cheeseburgers einen Veggieburger essen oder ob wir einen Geldbeutel aus Kunstleder statt aus Leder kaufen. Die Lebewesen hingegen, die wir ausbeuten, sie bezahlen unseren flüchtigen Genuss oder unsere selbstsüchtigen Vorlieben mit ihrem Leben.

Wir lernen von klein auf, verschiedene Lebewesen unterschiedlich zu behandeln und wachsen in dem Irrglauben auf, es sei in Ordnung, das Fleisch einiger Lebewesen zu essen, die Schreie gejagter Lebewesen zu ignorieren und mit pelzigen Tierbabys zu kuscheln. Wir entwickeln eine konfuse Denkweise. Dies führt dazu, dass die meisten von uns als Erwachsene Abscheu und Betroffenheit empfinden, wenn wir sehen, wie andere Lebewesen gequält und getötet werden.

Dennoch kaufen und konsumieren wir tagtäglich das Fleisch, das Fell, die Ausscheidungen und die Haut anderer Lebewesen. Wir geben uns größte Mühe, uns selbst und andere zu täuschen, um die illusorische Grenze zwischen dem Menschen und anderen Lebewesen aufrechtzuerhalten.

Drohender wirtschaftlicher Kollaps, der starrköpfige Anspruch auf angestammte Rechte, die beharrliche Weigerung, althergebrachte Gewohnheiten zu verändern. Im Laufe der Geschichte wurden solche unzulänglichen Ausreden immer wieder vorgebracht – und letztlich für ungültig erklärt.

Bei jeder neuen Verschiebung von Grenzen werden die Befürworter, die Abolitionisten oder die Befreier für ihre Forderung nach Gleichberechtigung zunächst verhöhnt und in Verruf gebracht. Doch irgendwann werden die überlieferten Lügen stets als solche entlarvt und die Freiheit siegt – die Freiheit für Frauen, Schwarze, Christen, Schwule und Lesben, Asiaten, Iren, Katholiken oder Juden.

Nun ist es an der Zeit, dass diese Freiheit endlich alle Lebewesen dieser Erde umfasst.