Mitschuld am Tierleid

Obwohl alle großen Religionen der Welt in ihrem Ursprung offensichtlich eine vegetarische Ernährung vorschreiben, haben es die Priester, Schriftgelehrten und Mönche geschafft, diese Wahrheit auf den Kopf zu stellen, zu verdrehen und zu fälschen – bis die Menschen ohne Skrupel Fleisch aßen. Gerade bei »christlichen« Festen ist der Tier-Braten das A und O.

Menschen richten sich gerne an Vorbildern aus. Das bedeutet: Die meisten sind obrigkeitsgläubig. Hunderte Millionen Menschen vertrauen z.B. blind ihren religiösen Führern. Traditionen bestimmen ihr Leben. Vor allem religiöse Traditionen – bewusst oder unbewusst. Das war immer so, das ist auch heute noch so.

Egal, ob z.B. ein Totenschädel als Reliquie eines angeblichen »Heiligen« durch die Straßen getragen oder ein Schrein aufgemacht wird, in dem menschliche Leichenteile eines Urahnen zu sehen sind: Menschen mit Rang und Namen, Gebildete und Ungebildete, Politiker und Akademiker – alle sind sie im Festtagsanzug an vorderster Front mit dabei.

Diese Schwäche der Menschen haben die Priester von jeher gefördert und sich zu Nutze gemacht. Besonders grausam sind die Auswirkungen religiöser Traditionen auf die Tierwelt. Bedenkt man, dass Hunderte Millionen Tiere jedes Jahr in dunklen, engen Käfigen gehalten, gefoltert, gemästet, unwürdig transportiert und behandelt und letztendlich brutalst geschlachtet werden, nur um als kunstvoll angerichtete Speise täglich den Gaumen des Menschen zu kitzeln; und bedenkt man ferner, dass diese abwegigen Gepflogenheiten mit den Traditionen der Menschen zu tun haben, deren Wurzeln in der jeweiligen Religion begründet sind – so hat die Frage nach der Schuld der Priester am Tierleid ihre volle Berechtigung.

Profilbild Huhn

© dhruvnaik

Religiöse Traditionen werden nun mal von Priestern aufrecht erhalten und gepflegt – und sie wurden auch meist von Priestern, Mönchen oder Schriftgelehrten ins Leben gerufen.

»So lange man maßvoll lebt, wird das Glück des Hauses sich mehren; die Tiere werden sich in Sicherheit befinden; man wird kein Blut vergießen, keine Tiere töten. Die Tafel wird nur gedeckt mit Früchten, welche die Natur spendet.« Basilius der Große (330-379)

Auffallend ist: Die ursprünglichen religiösen Schriften der großen Weltreligionen fordern Liebe zu allen Geschöpfen Gottes und Achtung vor ihnen. Immer gebieten sie dem Menschen eine vegetarische oder gar eine vegane Ernährung. Das Töten eines Tieres wird als Vergehen eingestuft.
Was ist aus diesen Geboten geworden?

Seit Jahrtausenden wurden die Schriften durch Priester, Mönche und Schriftgelehrte verändert, ergänzt, gefälscht und theologisch-intellektuell verbogen. Der Zen-Meister Kapleau z.B. ist überzeugt, dass »fleischgierige Mönche und Schreiber« nachträglich Verfälschungen in gewisse Texte von Buddha »eingeschleust« haben.
Was die Bibel betrifft, wissen wir um die Schriftfälschung aus erster Hand – von Hieronymus selbst, der bekanntlich die lateinische Urfassung der Bibel, die Vulgata, zusammenstellte. Spätere Generationen würden ihn einen Fälscher nennen, befürchtete Hieronymus – so widersprüchlich waren die ihm vorliegenden Texte.
Auch dem Alten Testament merkt man schnell an, dass etwas nicht stimmen kann. Die Propheten wettern offen gegen den von Priestern eingeführten (und Mose nachträglich in den Mund gelegten) Schlachtopfer-Kult. Die Schlachtopfer sind zwar Vergangenheit, doch die Tradition des Tötens ist geblieben: mit horriblen Folgen für die Tiere.