Wer an Yoga denkt, der denkt an Menschen auf einer Yogamatte, die versuchen, auf einem Bein oder dem Kopf zu balancieren, einen Fuß hinter den Kopf zu bekommen oder sich irgendwie anderweitig zu verknoten. Auch das bewusste Atmen und Meditieren verbinden viele noch mit Yoga. Aber was soll die vegane Lebensweise mit der Yogapraxis zu tun haben?

Kaum zu glauben, aber es gibt tatsächlich eine tiefe Verbindung zwischen der veganen und der Yogi-Lebensweise. Doch wie lässt sich diese Verbindung erklären?

Im etwa 2.000 Jahre alten „Yoga Sutra“ von Patanjali werden zehn Hinweise zur Lebensführung für alle Yogis und Yoginis gegeben, mit deren Hilfe das Yoga, also die Erleuchtung, erreicht werden soll. Fünf dieser Hinweise – die „Yamas“ – beziehen sich auf unser Verhalten gegenüber anderen, und fünf – die „Niyamas“ – beziehen sich auf unser Verhalten gegenüber uns selbst. Gerade die fünf „Yamas“ lassen sich mit einer veganen Lebensweise ganz wunderbar in die Tat umsetzen.

Wie das gehen soll? Die mit PETA eng verbundene Yoga-Lehrerin Sharon Gannon hat gemeinsam mit dem Yoga-Lehrer David Life die Methode „Jivamukti Yoga“ begründet. Schweißtreibende körperliche Übungen und eine freudvolle, vegane Lebensweise gehen beim Jivamukti Yoga Hand in Hand.

Die fünf Yamas und ein veganes Leben

Ahimsa – Gewaltlosigkeit

Man soll andere nicht verletzen, weder mit Worten, Gedanken noch mit Taten – und das so gut wir eben können. Die Chance dazu haben wir mindestens dreimal am Tag: beim Frühstück, beim Mittagessen und beim Abendbrot. Keine Tiere zu töten oder töten zu lassen und anderen Wesen somit Leid zu ersparen, ist einer der besten Wege, Ahimsa zu üben. Wer sich vegan ernährt, verhindert, dass Tieren Gewalt angetan wird.

Doch nicht nur bei der Wahl unserer Nahrung können wir Ahimsa üben. Wann immer wir uns gegen Bekleidung aus Leder, Wolle, Pelz oder Federn entscheiden, wann immer wir uns gegen einen Besuch in einem Zoo, Delfinarium oder Zirkus entscheiden, und wann immer wir Stellung gegen Tierversuche, Jagen, Angeln, Pferderennen, Brieftaubenwettflüge, ja selbst das Töten eines Käfers oder einer Fliege beziehen, üben wir Gewaltlosigkeit und kommen so dem Zustand des Yoga ein wenig näher.       

Satya – Wahrhaftigkeit            

Hier ist der Bezug zur veganen Lebensweise vielleicht nicht so offensichtlich wie beim Yama der Gewaltlosigkeit. Schaut man sich allerdings die Werbung für Produkte tierischen Ursprungs an, so wird der Bezug doch recht schnell sichtbar. Wir werden ständig über die wahre Herkunft und die tatsächlichen Zustände bei der Herstellung hinweggetäuscht. Frische grüne Wiesen mit frei herumtollenden Tieren, keine Zäune, keine Ketten. Eine meist absichtliche und offensichtliche Lüge, um unser Gewissen zu beruhigen und uns zum Kauf zu animieren. Von Wahrhaftigkeit ist hier keine Spur. Mit dem Kauf solcher Produkte unterstützen wir den Fortbestand dieser Methoden. Satya bedeutet, dass wir unsere Augen nicht länger vor der Wirklichkeit verschließen, die dunklen, engen Ställe, Käfige und grausamen Tötungsfabriken sehen, und aufhören, den Lügen zu glauben. Die vegane Lebensweise hilft uns dabei, Wahrhaftigkeit zu üben, und zwar bei jeder einzelnen Kaufentscheidung.

Asteya – Nicht stehlen      

Vielen Menschen fehlt heute jeglicher Bezug zur Herkunft ihrer Nahrung, ihrer Kleidung, ihrer Kosmetikprodukte usw. Kaum jemand macht sich Gedanken darüber, wo das Steak, das Ei, die Milch, die Lederjacke, ja selbst die Bestandteile des Handys oder Fernsehers eigentlich herkommen. Wann immer Inhaltsstoffe tierischen Ursprungs zur Herstellung eines Produktes verwendet werden, werden diese den eigentlichen Besitzern gegen ihren Willen weggenommen. Keine Kuh produziert Milch, damit der Mensch sie in seinen Kaffee gießen kann. Die Milch gehört eindeutig ihrem Kalb. Keine Henne legt Eier, damit der Mensch eine vermeintlich notwendige proteinreiche Mahlzeit hat. Ihre Eier gehören eindeutig nur ihr. Daunen sind das wärmende Federkleid der Ente, Cashmere das Unterkleid einer seltenen Ziege. Diese Liste lässt sich endlos weiterführen, bis hin zum Kupfer in fast jedem Elektronikartikel, das aus den ausgelösten Knochen getöteter Tiere gewonnen wird. Fakt ist: Mit dem Gebrauch und dem Verzehr tierischer Produkte machen wir uns des Diebstahls schuldig. Hören wir damit, so gut wir können, auf, üben wir uns in Asteya.

Brahmacharya – Andere nicht sexuell manipulieren

„Brahma“ ist die schöpferische Kraft und „Acharya“ bedeutet Meister. Die sexuelle Kraft ist die stärkste schöpferische Kraft, die ein Wesen in sich trägt. Diese zu meistern, bedeutet achtsam mit ihr umzugehen – sowohl mit unserer eigenen als auch mit der von anderen.

Doch welche Verbindung besteht zwischen Brahmacharya und der veganen Lebensweise? In unserer Gesellschaft sind Tiere nicht länger Individuen, die denken, fühlen, lieben und leiden können, sondern nur noch Waren, Produktionseinheiten, Teilelieferanten und Gebrauchsgegenstände. Sie haben nicht länger das Recht, selbst über ihre schöpferische Kraft zu bestimmen, ihre Sexualpartner selbst auszuwählen und selbst zu entscheiden, wann sie Eltern werden möchten. Wir entscheiden für sie, wir züchten, kastrieren, sterilisieren, verstümmeln und vergewaltigen sie. Ja richtig, wir vergewaltigen sie. Die Rede ist nicht etwa von einzelnen Individuen, die sich an Tieren sexuell vergehen, sondern von den systemimmanenten, entwürdigenden Zwangsbefruchtungen in der modernen Landwirtschaft. Bullen werden entsamt, und Kühe werden gegen ihren Willen Schwangerschaften aufgezwungen. Die Tiere sind angekettet und haben keinerlei Einfluss darauf, was mit ihren Körpern und ihrer schöpferischen Kraft geschieht. Sie werden – wie in jeder anderen Form der geplanten Zucht – sexuell missbraucht und manipuliert. Wann immer wir uns zum Kauf von Produkten und Dienstleistungen entscheiden, die ganz oder teilweise aus dem Leid von Tieren gewonnen werden, nehmen wir aktiv an dieser sexuellen Manipulation teil. Entscheiden wir uns jedoch für vegane Alternativen, so verhindern wir nicht nur Tierleid, sondern üben auch aktiv Brahmacharya.

Aparigraha – Nicht horten und gierig sein

Diese Praxis scheint zunächst sehr allgemeingültig zu sein und sagt aus, dass wir nur die Dinge kaufen und besitzen sollten, die wir auch tatsächlich benötigen. Das bedeutet nicht nur, dass wir achtsam mit Ressourcen umgehen und nicht zu viel verbrauchen, sondern auch, dass wir auf nicht essenzielle Dinge verzichten. Tierische Produkte sind in den allermeisten Fällen nicht für unser direktes Überleben und unsere Gesundheit notwendig, denn in der heutigen Zeit haben wir fast uneingeschränkten Zugang zu einer riesigen Auswahl an tierfreundlichen Alternativen. Das Gleiche gilt natürlich auch für Bekleidung, Kosmetik usw.

Besonders traurig ist es, wenn wir zu viel kaufen, nicht verwenden und am Ende wegwerfen. Kaum ein anderes Lebewesen sammelt mehr Futter, als es braucht, nur, um es zu haben und später wegzuwerfen. Wir Menschen tun dies nur allzu häufig und richten damit großen Schaden an. Also lasst uns weniger gierig sein, uns auf das Notwendige beschränken, auf tierfreundliche, vegane Alternativen zurückgreifen und so täglich aufs Neue Aparigraha üben. Kaufen wir einmal aus Versehen zu viel, können wir das, was wir nicht benötigen, mit denen teilen, die nicht genug haben.

Yoga findet also tatsächlich nicht nur auf der Yogamatte statt. Lebe gewaltlos, wahrhaftig, stiehl nicht, manipuliere niemanden sexuell und sei nicht gierig.

Wer sich für eine vegane Lebensweise entscheidet, der praktiziert fast automatisch diese fünf yogischen Yamas und kommt auf seiner spirituellen Reise so mit Riesenschritten voran.

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Namaste!

Über den Autor

Moritz Ulrich ist Advanced Certified Jivamukti Yoga Teacher, Mitbegründer und Geschäftsführer von PEACE YOGA BERLIN und langjähriger PETA-Unterstützer.