So gelangst du durch den freiwilligen Nahrungsverzicht zu mehr Achtsamkeit beim Essen

Du denkst darüber nach, deinen Speiseplan achtsamer zu gestalten und willst auf eine vegane Ernährung umsteigen? Fasten kann diese Ernährungsumstellung erleichtern und dabei helfen, Essgewohnheiten und Routinen zu überdenken.

Fasten – Zeit der Besinnung mit langer Tradition

Fasten, also der freiwillige Verzicht auf Nahrung, hat eine lange Tradition. Empfehlungen zum Fasten finden sich in vielen Religionen wieder, wobei der spirituelle Aspekt in der Regel im Vordergrund steht und das Fasten z. B. zur Vertiefung des Gebetes genutzt wird. Im Islam werden im Fastenmonat „Ramadan“ gesunde Erwachsene zum Fasten zwischen Sonnenaufgang und -untergang aufgerufen, und im Christentum gibt es eine 40-tägige vorösterliche Fastenzeit, die durch den Karneval eingeläutet wird.

Auch das medizinisch begründete Fasten hat eine lange Tradition. So entstanden u. a. um die Jahrhundertewende aus der Fastenbewegung verschiedene Fastenformen. Heute wird Fasten in spezialisierten Kliniken oder von ausgebildeten Fastenleitern ambulant angeboten. Fasten und seine potenziell gesundheitsfördernde Wirkung rücken dabei immer mehr in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Frau Meditation

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Fasten – wertvoll für Körper und Geist

Fasten ist für viele Menschen eine Möglichkeit, sich auf sich selbst zu besinnen und innezuhalten. Viele empfinden die Zeit des freiwilligen Verzichts als eine geistig-spirituelle Erfahrung. Fasten kann aber auch Vorteile für die körperliche Gesundheit mit sich bringen. So kann Fasten u. a. eine wirksame Therapie bei manchen Stoffwechselerkrankungen oder Übergewicht sein und bei Rheuma, Asthma, Allergien und Migräne gute Wirkung zeigen1. Fasten wird zudem vermehrt im Zusammenhang mit einer positiven Beeinflussung von Alterserscheinungen diskutiert und intermittierendes Fasten als erfolgreiche Methode zur dauerhaften Gewichtsreduktion untersucht23.

Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung erkennt den Wert des Fastens an und schreibt unter anderem: „Die vorhandenen Erfahrungsberichte zeigen, dass Heilfastenkuren oftmals zu einer gesundheitsbewussteren Lebensführung und Änderung des Ernährungsverhaltens führen. Das Heilfasten kann damit ein Impuls für die Änderung des Lebensstils und zur Verbesserung der Ernährungsgewohnheiten sein.“4

Pfefferminztee für Fasten

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Fasten – was Sie beachten sollten

Fasten muss gelernt werden und erfordert eine fachliche Betreuung1. Gerade bei Menschen mit chronischen Erkrankungen, wie z. B. Diabetes, sollte Fasten nur unter ärztlicher Begleitung erfolgen. Denn Fasten und stark veränderte Essgewohnheiten können hier zu medizinischen Problemen führen.6

Frau unter Baum im Herbst

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Fasten sollte zudem immer als ganzheitliches Konzept gesehen werden. Maßnahmen wie Entspannungs- oder Bewegungsprogramme, aber auch eine psycho-soziale Betreuung sollten das Fasten begleiten. Reine „Nulldiäten“, bei denen ein schneller Gewichtsverlust im Vordergrund steht, ohne ganzheitliches Therapieprogramm sind nicht empfehlenswert.7

Manche Formen des Fastens können von gesunden Erwachsenen mithilfe der Lektüre entsprechender Fachbücher durchaus alleine zuhause durchgeführt werden. Für Menschen, die zum ersten Mal fasten, empfiehlt sich jedoch die Betreuung durch einen erfahrenen Fastenleiter oder der Besuch einer Fastenklinik. Das Fasten in einer angeleiteten Gruppe verläuft zudem meist erfolgreicher.7

Fasten – auf die richtige Durchführung kommt es an

Es gibt verschiedene Formen des Fastens. Gemeinsam ist den Methoden in der Regel eine hohe Flüssigkeitsaufnahme in Form von Wasser, Kräuter- und Früchtetees sowie teils etwas Fruchtsaft. Je nach Methode werden auch kleine Mengen fester Nahrung zugeführt, die aber einen bestimmten Kalorienwert nicht übersteigen.7

Zur Vorbereitung auf das Fasten wird häufig ein sogenannter Entlastungstag empfohlen. Dieser soll auf den kommenden Nahrungsverzicht körperlich und seelisch vorbereiten. Ein Obst- oder Reistag sowie eine Darmentleerung haben sich dabei bewährt.7

Gemuese und Obst fuer Fasten

Ebenso wichtig ist der Kostaufbau nach dem Fasten, also das Fastenbrechen. Die Lust nach einem üppigen Mahl ist bei manchen groß, ihr sollte aber nicht nachgegeben werden. Damit das Fasten nachhaltig ist und der Einstieg in eine bewusstere Ernährung gelingt, sind sogenannte Aufbautage wichtig. Diese sollten circa ein Drittel der gesamten Fastenzeit ausmachen – je länger die Fastenzeit desto langsamer der Aufbau.11

Kauen Sie die ersten Bissen fester Nahrung gründlich, genießen Sie bewusst und ohne Ablenkung. Wählen Sie vor allem frische, unverarbeitete Lebensmittel, die schonend zubereitet wurden. So wird Ihr Verdauungssystem langsam an seine Aufgabe erinnert.11

Die Aufbautage sind der ideale Zeitpunkt, langsam auf eine vollwertige vegane Ernährung umzustellen. Nutzen Sie die Motivation, die sich durch die Tage des Fastens entwickelt hat. Halten Sie Ihre Erfahrungen und Vorhaben fest.11 So nehmen Sie Ihre während des Fastens entstandenen Vorsätze mit in den Alltag.

 

Sie möchten sich darüber informieren, wie es nach dem Fasten weitergehen kann? Melden Sie sich zu PETAs kostenlosem Veganstart-Programm an. Hier erfahren Sie, wie eine vollwertige vegane Ernährung aufgebaut werden sollte und bekommen viele weitere Tipps für ein achtsames Leben.

 

 

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  1. Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. (ÄGHE): Gängige Vorurteile. In aerztegesellschaft-heilfasten.de/informationsdienst/vorurteile/ (03.08.2017)
  2. Ritzmann-Widderich, Martha (2009): Fasten hält jung. UGB-Forum 1/09, S. 39-41
  3. Feichtinger, Johanna (2017): Abnehmen mit Intervallfasten. UGBforum 1/17, S. 38-40
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (2005): Für die Beratungspraxis: Heilfasten. DGE-info 2/2005, S. 23-25
  5. Ärztegesellschaft Heilfasten und Ernährung e.V. (ÄGHE): Gängige Vorurteile. In aerztegesellschaft-heilfasten.de/informationsdienst/vorurteile/ (03.08.2017)
  6. diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe (2016): Im Ramadan fasten – auch mit Diabetes möglich. Pressemitteilung vom 14.06.2016 www.diabetesde.org/pressemitteilung/ramadan-fasten-diabetes-moeglich-0
  7. Martin, Hans-Helmut (1996): Saft oder Semmeln? UGB-Forum 2/96, S. 77-80
  8. Martin, Hans-Helmut (1996): Saft oder Semmeln? UGB-Forum 2/96, S. 77-80
  9. Martin, Hans-Helmut (1996): Saft oder Semmeln? UGB-Forum 2/96, S. 77-80
  10. Martin, Hans-Helmut (1996): Saft oder Semmeln? UGB-Forum 2/96, S. 77-80
  11. Feichtinger Johanna (2014): Fasten – neue Energie für Körper und Geist. UGB-Forum spezial. 2014, S. 37-38
  12. Feichtinger Johanna (2014): Fasten – neue Energie für Körper und Geist. UGB-Forum spezial. 2014, S. 37-38
  13. Feichtinger Johanna (2014): Fasten – neue Energie für Körper und Geist. UGB-Forum spezial. 2014, S. 37-38